Anlagestrategie des Anlagefonds der Stadt Aarau
Die gleichen Fragen wie zur Pensionskasse, diesmal für den städtischen Anlagefonds: CO₂-Fussabdruck, Klimarisiken und Nachhaltigkeitskriterien.
Unterzeichner
Fragen an den Stadtrat
Begründung
Damit das sogenannte Zwei-Grad-Klimaziel (oder gar das 1.5-Grad-Klimaziel) eingehalten werden kann, müssen nach aktuellen Berechnungen 80 % aller bekannten Vorkommen an Öl, Erdgas und Kohle im Boden bleiben. Grob geschätzt sind diese 27 Billionen US-Dollar wert. Vier Fünftel davon sind wertlos, wenn die von der Weltgemeinschaft verabschiedeten und der Schweiz anvisierten Klimaziele eingehalten werden sollen. Sie werden zu sogenannten «gestrandeten Anlagen». Der damit verbundene Wertabschreiber von 22 Billionen US-Dollar könnte ein tiefes Loch in die Bilanz mancher Bank und mancher Pensionskasse reissen. In jüngster Zeit gelangen daher immer mehr Investoren, Forscher und Regierungen zur Einsicht, dass Investitionen in Unternehmen, welche viel CO₂ emittieren oder fossile Energien fördern, ein erhebliches Risiko bergen.
Dennoch «unterstützt» der Finanzplatz Schweiz mit seinen Investitionen in die globalen Finanzmärkte eine globale Klimaerwärmung von vier bis sechs Grad. Bei der Betrachtung typischer Aktien und Aktienfonds des Finanzplatzes ist pro Million investierter Franken mit der Emission von 155 bis 179 Tonnen CO₂-eq jährlich zu rechnen. Mit Fokus auf die schweizerischen Pensionskassen zeigt sich, dass auch diese CO₂-Intensiv investieren: Würde der CO₂-Ausstoss der im Ausland gehaltenen Investitionen der Schweiz angerechnet, würde der schweizerische Treibhausgasausstoss auf das Anderthalbfache ansteigen.
Der Anlagefonds der Stadt Aarau verfügte über ein Anlagevermögen von rund 100 Mio. CHF. Unter der Annahme, dass der Anlagefonds ähnlich einer PK «typisch Schweizerisch» investiert wird, trägt dieser jedes Jahr rund 15'000 bis 18'000 Tonnen CO₂-eq bzw. knapp 1 Tonnen CO₂-eq pro Aarauerin und Aarauer zum globalen CO₂-Ausstoss bei. Zum Vergleich: Der inländische verursachte CO₂-Ausstoss aller in der Schweiz lebenden Personen wird mit 6.4 Tonnen CO₂-eq pro Kopf angegeben.
Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie des Bundesamtes für Umwelt: «Ein Ausstieg aus emissionsintensiven Branchen oder ein Umstieg auf klimafreundliche Unternehmen im gleichen Sektor wäre ohne grössere Folgen in Bezug auf Risiko und Diversifikation möglich.»
Vor diesem Hintergrund haben grosse Investoren, wie etwa Black Rock, die Rockefeller Foundation und die Allianz Versicherungen beschlossen, ihre Guthaben aus dem Bereich fossile Energien abzuziehen und in klimafreundliche Projekte zu investieren – vor allem in Wind, Solar, Stromversorgung und nachhaltige Mobilität.
Das Bundesamt für Umwelt empfiehlt daher den institutionellen Investoren u. a.:
- Klimarisiken für Investitionen systematisch zu messen und die Kapitalanlagen sogenannten „Stress Tests“ zu unterziehen.
- Die Klimaauswirkungen der Investitionen gegenüber den Stakeholdern offenzulegen.
- Klimaverbesserungsstrategien in die Investitionsentscheidungen einzubeziehen und Klimaschutzziele zu setzen.
- Das ständig wachsende Angebot an klimafreundlichen Investitionsalternativen für das eigene Portfolio zu prüfen.
Quellen
- Budget 2016 mit Politikplan 2015-2020 [Bericht] / Verf. Stadt Aarau. - Aarau : Stadt Aarauq, 2015.
- Klimawandel: Fragen und Antworten [Online] / Verf. Bundesamt für Umwelt (BAFU). - 2014. - 16. Januar 2016. - http://www.bafu.admin.ch/klima/09608/index.html?lang=de.
- Kohlenstoffrisiken für den Finanzplatz Schweiz [Bericht] / Verf. CSSP - Center for Social and Sustainable Products; South Pole Group. - Zürich/Vaduz : Bundesamt für Umwelt (BAFU), 2015.
- Warum wir Öl, Kohle und Erdgas im Boden lassen müssen [Online] / Verf. Keller Christoph. - SRF, 26. 11 2015. - 13. Januar 2016. - http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/warum-wir-oel-kohle-und-erdgas-im-boden-lassen-muessen.