Unterzeichner

Alexander Umbricht (GLP)

Fragen an den Stadtrat

1 Wie schätzt die Stadt Aarau die finanzielle Lage und insbesondere den finanziellen Ausblick der Alpiq ein?
2 Welche Auswirkungen hätte der Verlust des «Investment Grade Ratings» (tiefer als BBB) von Alpiq auf die IBA?
3 Welche Auswirkung hätte eine Insolvenz der Alpiq auf die IBA?
4 Ist die Alpiq Beteiligung der IBA versorgungstechnisch relevant oder strategischer Natur? Muss sie deshalb gehalten werden oder kann sie auch zugunsten einer Sonderdividende für der Stadt oder zugunsten anderer Wachstumsfelder der IBA veräussert werden?
5 Hat die Stadt die Möglichkeit, auf diese Entscheidung der IBA Einfluss zu nehmen?
6 Ergibt sich aus obenstehenden Fragen für den Stadtrat Handlungsbedarf?

Begründung

Die Stadt Aarau besitzt gut 95 % der 300 000 IBAarau AG-Aktien. Erfolg oder Misserfolg der IBAarau AG (IBA) haben einen spürbaren Einfluss auf das städtische Budget. Die IBA wiederum hält 2 % der Alpiq Holding AG (Alpiq). Sollte die IBA diese Aktien verkaufen, hat die Stadt Aarau ein Gewinnbeteiligungsrecht. Da ein Konkurs der Alpiq Holding AG in den nächsten Jahren möglich scheint, hat der Wert der Alpiq-Aktien einen indirekten Einfluss auf das Vermögen der Stadt. Werden die Aktien zu einem guten Wert verkauft, kann die Stadt ihr Vermögen erhöhen. Fällt der Wert der IBA-Aktien auf null, …

Die IBA besitzt aus historischen Gründen eine Beteiligung von 2 % an der Alpiq. Diese Aktien haben seit der Gründung des Alpiq Konzerns 2007 rund 85 % an Marktwert eingebüsst; von rund 600 CHF pro Aktie im Jahr 2008 auf aktuell 82 CHF pro Aktie. Gerechnet auf den Anteil der IBA hat sich der Wert der Beteiligung von rund 300 Mio. CHF auf aktuell rund 45 Mio. CHF reduziert. Seit 2015 hat Alpiq zudem keine Dividende mehr bezahlt.

Am Montag, 28. August 2017 hat die Alpiq ihre Halbjahreszahlen präsentiert. Alpiq hat mit einem operativen Reinergebnis von –5 Mio. CHF (vor Sondereffekten) bzw. –109 Mio. CHF (nach Sondereffekten) ein weiteres Mal ein sehr schwaches Resultat erzielt. Dies ist zusätzlich bemerkenswert, da im Berichtszeitraum mit der Neubewertung des an Swissgrid verkauften Höchstspannungsnetzes ein Sondereffekt von 95 Mio. CHF ins operative Ergebnis gebucht wurde. Ohne die Neubewertung sähe das erste Halbjahr 2017 noch deutlich schlechter aus.

Desweitern teilt die Alpiq mit, dass der beabsichtigte Verkauf von 49 % des Hydro-Portfolios mangels Interessenten sistiert wurde. Anstatt dessen wird nun der teilweise oder auch der vollständige Verkauf der Zukunftsbereiche in Betracht gezogen. Dies könnte auch als geregelte Abwicklung des Konzerns ausgelegt werden; insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass in den Jahren 2018 und 2019 Anleihen und Bonds in der Höhe von über 600 Mio. CHF zur Rückzahlung fällig sind. Diese kann der Konzern wahrscheinlich aus eigener Kraft nicht bedienen. Eine Refinanzierung scheint schwierig.

Weiter erwähnt die Alpiq, dass in Rumänien eine provisorische Steuerveranlagung in der Höhe von 192 Mio. CHF eröffnet wurde. Da die Alpiq es als unwahrscheinlich einschätzt, dass sie in diesem Rechtsstreit unterliegen wird, hat sie keine Rückstellung gebildet. Hintergrundberichte aus den Medien lassen jedoch auch die Interpretation zu, dass diesbezüglich durchaus ein Risiko besteht.

Auf der Seite 2 der Analystenpräsentation geht Alpiq auf ihre Hedging-Strategie ein. Beachtet man, dass die Talsohle der Preise erst im Jahre 2016 erreicht wurde und die Alpiq drei Jahre im Voraus absichert, so ist die operative Baisse erst im Jahr 2019 zu erwarten. Es muss folglich von weiterhin sehr schwachem Geschäftsgang ausgegangen werden.

Da uns keine Public Corporate Governance (PCG) Richtlinien der Stadt bekannt sind, verweisen wir auf die Richtlinien des Kantons Aargau vom 19. August 2015. Gemäss diesen stehen bei öffentlichen Beteiligungen folgende Ziele im Vordergrund (Ziffer 1):

  • Sicherstellung der öffentlichen Aufgabe,
  • Wahrung der Eigentümerinteressen des Kantons,
  • Abstimmung von Eigentümer- und Unternehmensinteressen,
  • Optimierung der Risikoexposition des Kantons,
  • Standardisierung der Instrumente und Prozesse sowie Transparenz der Beteiligungssteuerung durch den Eigentümer,
  • kontinuierliche Überprüfung des Beteiligungsportfolios hinsichtlich Notwendigkeit.

Obschon die (indirekte) Alpiq Beteiligung inzwischen rund 250 Mio. CHF an Marktwert eingebüsst hat und aktuell nur noch rund 45 Mio. CHF wert ist, ist sie für die Stadt Aarau als Haupteigentümerin der IBA nach wie vor substanziell. Sollte es sich bei dieser Beteiligung nicht um eine zwingende staatliche Aufgabe handeln, so wäre gemäss PCG Richtlinien des Kantons Aargau aus Riskosicht eine Diversifizierung der Investition, eine Neuallokation der Mittel oder eine Ausschüttung zur Schuldenreduktion angezeigt.

Thema: Finanzen und Beteiligungen und Energie und Klima