Glasfasernetz für Aarau
Postulat für eine Strategie, wie Aarau ab 2020 zu einem Glasfasernetz bis zu den Endkund:innen (FTTH) kommen könnte – ohne dass die Stadt das Netz selbst bauen muss.
Unterzeichner
Die unterzeichnenden Parteien fordern den Stadtrat auf
Votum im Rat
Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.
— Thomas Watson, Chef von IBM, 1943
Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus haben wollen würde.
— Ken Olsen, Gründer der Computerfirma Digital Equipment Corp., 1977
Mehr als 640 Kilobyte Speicher werden Sie niemals benötigen.
— Bill Gates, 1981 – In dem Fall ist es beruhigend zu wissen, dass man trotz grober Fehleinschätzungen – dieser Computer hat genau 25 000 mal so viel - reichster bzw. aktuell zweitreichster Mensch der Welt werden kann…
Werte Anwesende
Die, ausnahmsweise 3, Zitate zeigen eines: Selbst Experten haben den technischen Fortschritt und vor allem aber die Nachfrage nach mehr und schnellere Computer und auch nach immer mehr Bandbreite für Kommunikation unterschätzt.
Das Handy besitze ich seit knapp zwei Wochen. In dieser Zeit hat es rund 20 GB Daten aus dem Internet gesogen. Selbstverständlich ohne illegale Filme, Pornoseiten und auch – ich schwöre es – ohne Katzenbilder, dafür mit Updates, Spotify, etc. Zum Vergleich: Die erste Festplatte die meine Eltern je bessen haben, hatte 1/10 davon an Platz gehabt – und hat als völlig übertrieben gegolten.
Selbstverständlich kann man diesen Fortschritt gut oder schlecht finden – er findet jedenfalls statt.
Und wenn wir ehrlich sind, inzwischen gehören nicht nur Wasser, Abwasser und Strom zur Grundversorgung. Auch Internet ist unerlässlich und gehört seit anfangs Jahr gemäss dem Bundesamt für Kommunikation bzw. der Gundversorgungskonzession zur – Grundversorgung.
Zurück zum Thema, zurück zu unserem Postulat. Der Stadtrat hat festgestellt: «Der Aufbau eines Glasfasernetzes mag insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung für die Stadt sehr wünschenswert erscheinen. Jedoch ist der Betrieb eines Glasfasernetzes, insbesondere die FTTH Erschliessung bis in die Wohneinheiten, keine zwingende Aufgabe, welche die öffentliche Hand zu erfüllen hat.».
Diese Aussage teile ich vollkommen. Auch uns scheint ein Glasfasernetz für die wirtschaftliche Entwicklung von der Stadt wünschenswert. Und selbstverständlich ist das keine zwingende Aufgabe von der öffentlichen Hand. Das ist auch ein Stromanschluss nicht zwingend, oder ein Wasseranschluss. Jedenfalls können diese Sachen auch ohne den Staat organisiert werden. Ob der Staat oder Private dafür besser geeignet sind, ist eine andere Diskussion und spielt hier auch gar keine Rolle. Mit keinem Wort – und das scheint mir wichtig – fordern wir, dass die Stadt selbst ein Glasfasernetz legt oder auch nur grössere Mengen Geld in die Hand nimmt.
Das einzige was wir fordern, ist dass sich der Stadtrat Gedanken macht. Gedanken dazu, wie die Stadt Aarau ab 2020 zu einer relevanten Infrastruktur wie Glasfasernetz bis zu den Endkunden kommen könnte. Da dazu gehört vermutlich eine Priorisierung von Gebieten und eine Auslegeordnung an möglichen Finanzierungs-, Geschäfts- bzw. Betriebsmodelle. Angeblich gäbe es in der realen Welt Firmen, die anbieten, ein solches Netz auf eigenes Risiko zu bauen. Ein paar weitere Gedanken zum Thema schaden wohl kaum, Erfahrungen aus anderen Städten zeigen was man machen könnte, und was man besser bleiben lässt. Die Alternative zu so einem Plan bzw. Konzept wie gefordert ist das «Prinzip Hoffnung» – und das scheint mir für eine Stadt wir Aarau in einem wirtschaftlich wünschenswerten Thema nicht gerade professionell und alles andere als clever bzw.: smart.
Wir wünschen uns zusätzlich, dass sich wirklich der Stadtrat bzw. die Stadtverwaltung diese Gedanken macht. Er kann nicht einfach alles an die eniwa auslagern. Vor allem nicht, wenn die eniwa eine potenzielle Marktteilnehmerin ist. Und die Marktteilnahme fordert der Stadtrat von der eniwa voraussichtlich. Ich zitiere: «Die Eniwa Holding AG bearbeitet im Wesentlichen folgende Geschäftsfelder: … sowie Telekommunikation.» Die enwia hat also gezwungenermassen eigene Interessen in dem Thema – und ist alles andere als neutral und unvoreingenommen.
Werte Anwesende, alle relevanten weiteren Argumente zu Home Office, Cloud Computing, neuen Geschäftsmodellen, etc. haben sie der schriftlichen Begründung zum Postulat entnehmen können. Somit bin ich überzeugt, dass sie für eine gute Infrastruktur in Aarau, nebst Strasse, Strom, Wasser und Bahn, stimmen und das Postulat überweisen.
Herzlichen Dank.