Unterzeichner

Alexander Umbricht (GLP) Peter Jann (GLP) Petra Ohnsorg (Grüne)

Der Stadtrat überarbeitet das Projekt «Neugestaltung Vordere Vorstadt» unter folgenden Gesichtspunkten

1 Das Gutachten von ENHK und EDK und die darin aufgeführten Überlegungen werden ernstgenommen und fliessen, gegebenenfalls unter Beizug einer externen Fachperson, in die Projektüberarbeitung ein, so dass das Ortsbild nicht mehr beeinträchtigt wird.
2 Das Projekt umfasst geeignete Massnahmen, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen (z. B. Vermeidung von Hitzeinseln).
3 Die Ausdolung des Stadtbachs wird unter dem Gesichtspunkt der Aufenthaltsqualität nochmals ernsthaft geprüft.

Hintergrund

Mit der Botschaft vom 3. Juli 2017 (GV 2014-2017/391) zur Sanierung der Vorderen Vorstadt beantragte der Stadtrat beim Einwohnerrat einen Baukredit zur Umsetzung der vorgeschlagenen Sanierungsvariante. An der Sitzung vom 28. August 2017 entschied der Einwohnerrat mit 42 gegen 5 Stimmen gegen eine Verbesserung des Projekts zugunsten des Ortsbilds. In der Schlussabstimmung wurde schliesslich der Gesamtkredit einstimmig angenommen.

Gegen das Projekt wurden Beschwerden eingereicht, das entsprechende Verfahren ist noch immer hängig. Moniert wurde insbesondere der fahrlässige Umgang mit dem Ortsbildschutz.

Am 12. Februar 20211 haben die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) ihr gemeinsames Gutachten zur Neugestaltung Vordere Vorstadt erstellt.

Das Gutachten kommt zu einem eindeutigen Schluss: «Die Kommissionen sind aus diesen Gründen der Ansicht, dass die Pflästerung in der Vorderen Vorstadt im Grundsatz zu erhalten bzw. zu erneuern ist. (…) Insbesondere widerspricht das Sanierungsprojekt dem Schutzziel der „ungeschmälerten Erhaltung der authentischen Wirkung der Gassenräume mit ihrer auf das überlieferte Gefüge abgestimmte Beschaffenheit der Strassenoberflächen (Pflästerung)". Das vorliegende Sanierungsprojekt ist demzufolge in gesamthafter Betrachtung als schwerwiegende Beeinträchtigung des Ortsbildes einzustufen.»

Chance für die Stadt Aarau

Das Gutachten bietet der Stadt die Chance, das Sanierungsprojekt in der Vorderen Vorstadt neu zu beurteilen und zu verbessern. Dabei liessen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Die Überarbeitung gemäss den Überlegungen der ENHK und EDK würde es erlauben, der historisch bedeutenden Achse zwischen Stadttor und Grossratsgebäude die gestalterische Qualität zu geben, welche sie verdient und die Vordere Vorstadt bezüglich Strassenraumgestaltung an den Kernbereich der Altstadt anzuschliessen.
  • Weiter könnte die Überarbeitung zum Anlass genommen werden, die neusten Erkenntnisse aus der Klimakarte zu integrieren und mit entsprechenden Massnahmen und entsprechender Materialisierung die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
  • Die Vordere Vorstadt könnte ein Vorzeigebeispiel werden, wie Anliegen des Ortsbildschutzes mit denen des Stadtklimas verbunden werden und zusammen dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität des Strassenraums deutlich zu steigern. Insbesondere im Zuge der angestrebten Innenentwicklung werden qualitativ hochstehende Frei- und Aufenthaltsräume mit einem verträglichen Stadtklima immer bedeutender.

Thema: Stadtraum und Umwelt und Energie und Klima