Ehrlichkeit ist die beste Politik – wenn es Geld dafür gibt

Mark Twain

Werte Anwesende

Die Fraktion Pro Aarau – EVP/EW – Grünliberale unterstützt selbstverständlich den Antrag vom Stadtrat. Die KEBA in den Bankrott zu schicken wäre, in Anbetracht von dieser Ausgangslage, stupid. Und wir begrüssen es, dass eine neue vielversprechende Finanzierung gesucht wird bzw. teilweise schon gefunden worden ist.

Apropos Finanzierung: Im FGPK-Protokoll steht, dass bei der KEBA – ohne die erwähnte Änderung vom Finanzierungsmodell – pro Jahr ein Finanzierungsfehlbetrag von 350 000 CHF entsteht wird. Oder das gleich in anderen Worten: Wir reden von einem Verlust von 350 000 CHF pro Jahr. Im gleichen Protokoll steht auch, dass die Einnahmen seit der Sanierung noch nie gelangt hätten.

Das alles hat mich dazu bewogen, meine alten Unterlagen zur KEBA hervorzunehmen. Erste Erkenntnis: vor ziemlich genau 10 Jahren hat der Einwohnerrat am 28. Februar 2011 den Baukredit für die Totalerneuerung der KEBA genehmigt. Insgesamt – mit den Fussballfeldern – ein Betrag von rund 19.7 Mio. CHF. Ich erinnere mich darum noch gut dran, da wir Fraktionsintern sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Thema gehabt haben.

Zweite Erkenntnis: In der stadträtlichen Vorlage ist klipp und klar gestanden, dass es keine Sommernutzung mehr geben wird. Anscheinend hat das der Einwohnerrat bereits im Juli 2007 zur Kenntnis genommen. Aber, das ist selbst vor meiner Zeit gewesen.

Dritte Erkenntnis: Schön gerechnet hat man sich die Betriebskosten, indem man einfach behauptet hat, dass es zu 25 % mehr Eintritten kommt.

Die Grünliberale haben dann die Nein-Parole beschlossen, und an der Urne natürlich vorhersehbar kräftig aufs Dach bekommen. 80 % von den Abstimmenden haben sich für die KEBA entschieden.

Bei einem von unseren Gründen haben wir uns kräftig verschätz. Wir haben mit einem – wie heisst es so schön – Finanzierungsfehlbetrag von nur 200 000 CHF pro Jahr gerechnet. Schade, haben wir nicht Recht gehabt. Es wäre für die KEBA einfacher gewesen.

Aber auf was ich eigentlich raus will: Die 200 000 CHF bzw. heute die 350 000 CHF sind unschön, aber haben uns nicht sonderlich gestört. Was uns gestört hat, ist dass man nicht ehrlich war. Ich erinnere mich an diverse Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte im 2011 wo hinter vorgehaltener Hand gesagt haben, dass ein jährlicher Verlust von der KEBA mit dem Konzept unvermeidlich sei. Aber, das könne man ja nicht sagen, da sonst die KEBA gefährdet würde.

Ich behaupte: Auch mit ehrlicheren Zahlen wäre die KEBA zu keiner Zeit gefährdet gewesen, unabhängig davon was eine GLP dazu denkt.

„Ehrlichkeit ist die beste Politik – wenn es Geld dafür gibt“ hat der Mark Twain gesagt. Anscheinend gilt aber auch in Aarau: «Ehrlichkeit ist keine notwendige Politik, Geld gibt es sowieso».

Mein Wunsch: Verkaufen wir doch unsere Wählerinnen und Wähler nicht für blöd und zeigen bei zukünftigen Projekt realistische Kostenschätzungen auf, und vertrauen wir darauf die Aarauerinnen und Aarauer Vor- und Nachteile abwägen können. Sei das bei Sportanlangen, beim Klimaschutz oder sonst irgendwelchen Projekten.

Nicht dass wir dann 10 Jahre später von Sachen überrascht sind, die die Involvierte schon immer gewusst haben.

Thema: Finanzen und Beteiligungen und Bildung und Gesellschaft