Der einzige Gedanke, zudem ich fähig gewesen bin, kürzt sich mit den Buchstaben WTF ab

Alexander Umbricht, 27. Februar 2017, im Einwohnerrat zum ersten SEK-Kredit

Werte Anwesende

Wenn man sich selbst zu zitieren anfangt, ist man wohl definitiv zu eitel und/oder schon zu lange im Einwohnerrat…

Wie auch immer. Im Rahmen von der Diskussion zum ersten SEK-Kredit bin ich wirklich verärgert gewesen. Und nicht nur ich, sondern eine Mehrheit vom Einwohnerrat. Die drei Buchstaben WTF haben gut gepasst. Und entsprechend hat der Einwohnerrat den Kredit – gegen den Wunsch vom Stadtrat – deutlich erhöht. Ironie von der Geschichte, selbst der erhöhte Kredit hat nicht gelangt. Und so sitzen und stehen wir heute wieder da, um über einen Nachfolgekredit zu befinden.

Doch es gibt einen grossen Unterschied. Es gibt kaum mehr einen Grund, um über die Vorlage verärgert zu sein. Nicht nur muss man den Stadtrat nicht mehr zu Klimamassnahme prügeln, nein, der Stadtrat hat von sich aus vorwärts gemacht und als wohl eine von den ersten Städten nicht nur irgendwelche Klimaziel beschworen sondern einen konkreten Massnahmenplan mit dem Ziel Netto-Null 2050 ausgearbeitet. Schneller und billiger als Züri, nicht ganz so schnell wie Winterthur. Aber vorne dabei. Top.

Werte Anwesende, das Vorgehen vom Stadtrat ist nicht einfach nett, und schon gar nicht zu viel. Das Vorgehen ist zwingend. Warum? Weil wir weiterhin zu viel Klimagase produzieren. Mehr als die Vorgaben vom schon längst überholten Absenkpfad gemäss Gemeindeordnung zulassen. Kurzum: Trotz allen Anstrengungen produzieren wir in Aarau weiterhin viel zu viel Klimagase. Ohne die bisherigen Anstrengungen von der Stadt und der eniwa (Stichwort Fernwärmenetz) sähe es noch viel düsterer aus.

Um das ganze mal in Proportionen zu setzen. Stellen sich vor, die Welt möchte tatsächlich die globale Erhitzung auf 1.5 °C beschränke – das heisst insgesamt + 3 °C für Aarau. Und stellen sie sich weiter vor, dass ab sofort jeder Mensch auf dem Planet solidarisch noch gleich viele Klimagase verantworte dürfte – er bekäme also ein Klimagasbudget. Werte Anwesende, was glauben Sie, wie lange würde das Budget von einer durschschnittlichen Aarauerin, von einem durchschnittlichen Aarauer noch langen? Bis 2055, bis 2045, oder 2035? Ich sage es mal so – so gerechnet sind selbst die Forderungen von der Klimabewegung nach Netto-Null 2030 nicht radikal genug.

Und da wären wir wieder beim WTF. Das Problem von der Klimakatastrophe ist zwar beim Stadtrat angekommen. Und das Ziel von Netto-Null bis 2050 passt zum den Vorgaben vom Bund. Aber eigentlich, wenn wir die Klimakatastrophe auf einem gerade noch tolarablen Bereich beschränken wollen, brüchtis mehr.

Umso wichtiger und richtiger ist es, dem stadträtlichen Antrag zu folgen. Und dabei soll es nicht noch darum gehen, noch mehr Gelder zu verteilen. Auch anderen Massnahmen nebst dem Förderprogramm sind wichtig. So ist es zielführend, die Aarauerinnen und Aarauer in die Lage zu versetzen, gut informierte Entscheidungen zu treffen. Das heisst, auch Sensibilisierungs- und Informationskampagnen sind notwendig.

Werte Anwesende. Selbstverständlich sind mir nicht ganz zufrieden mit den stadträtlichen Vorlage. Es gibt einen Grund, warum die Grünen, die GLP und weitere Parteien 20 Vorstösse zum Klima eingereicht haben.

Aber: Der Stadtrat zieht in die richtige Richtung. Und für das ist es aus Sicht von der Fraktion Pro Aarau – EVP/EW – Grünliberale wichtig, den Kredit SEK II entsprechend dem Antrag vom Stadtrat zu genehmigen. Wir sind zuversichtlich, dass dies eine Mehrheit auch so sieht.

Danke.

Thema: Energie und Klima