Jemand sitzt heute im Schatten, weil jemand vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.

Zugeschrieben an Warren Buffet

Werte Anwesende

Aarau sitzt im Schatten eines grossen, alten Baums.

Wir leisten uns einen Steuerfuss von 96 Prozent — bei einem Leistungsniveau, für das andere 115 Prozent ansetzen müssen. Wir können das, weil wir einen Anlagefonds von 119 Millionen Franken haben. Und Beteiligungen. Und Liegenschaften.

Was bedeutet das konkret? Im letzten Jahr hat uns Vermögens- und Liegenschaftserträge netto rund 14 Millionen Franken in die Kassen gespült. Das entspricht — wie der Revisor sagt — rund 19 Steuerfussprozenten. 19 Steuerprozente, die wir nicht verlangen müssen. Weil andere — vor uns — einen Baum gepflanzt haben.

Auch die starke Steuerkraft pro Person erzählt eine ähnliche Geschichte. Das ist aber nicht in erster Linie unser Verdienst. Das heisst vor allem: In Aarau leben Menschen, die gut verdienen. Menschen, die Vermögen haben. Menschen, die nach Aarau gezogen sind, weil unsere Stadt gefällt — und das andere zuerst aufgebaut haben.

Werte Anwesende: Wir sitzen im Schatten — weil andere einen Baum für uns gepflanzt haben.

Und damit kommen wir zur unbequemen Frage: Was machen wir gerade mit diesem Baum?

Vor vier Jahren lagen die Finanzverbindlichkeiten der Stadt bei 88 Millionen. Heute: 155 Millionen. Der Politikplan rechnet bis 2030 mit weiteren Fehlbeträgen von rund 67 Millionen. Und der Revisor schreibt nüchtern: Ein noch höherer Aufwandüberschuss 2026 ist absehbar. Wenn das so weitergeht, fällen wir den Baum — Stück für Stück.

Unsere Fraktion erwartet — und die Revision sagt es deutlich — dass der Stadtrat mit dem Budget 2027 wieder eine ausgeglichene Erfolgsrechnung vorlegt. Und diese Rechnung hat zwei Seiten. Ausgaben und Einnahmen.

Ein Wort noch zu einem Bereich, in dem der Baum spezielle Pflege braucht: zu den IT-Kosten. Die IT belastet uns spürbar, das Budget 2026 sieht weitere Steigerungen vor — und wir haben kaum direkten Hebel. Sinkende IT-Kosten wären überraschend. Aus IT-Sicht wären sie sogar besorgniserregend. Wir als Fraktion hoffen einfach, dass die Mehrkosten zu besseren Produkten, mehr Kund:innenfreundlichkeit und Einsparungen an anderen Orten führen.

Eine gute digitale Infrastruktur ist kein Luxusgut. Staatliche Akteure mit schädlichen Absichten, Krimininelle mit Ransomware-Angriffe, Diebstahl von Daten — das sind keine Übertreibungen aus einem billigen Krimi. Das ist die Realität von jeder Schweizer Verwaltung. Und wer da billig fährt, bezahlt später. Manchmal in Franken oder Bitcoins. Manchmal in Daten von unseren Bürgerinnen und Bürger. In einem solche Fall zahlt der Staat sicher mit Vertrauensverlust. Und Vertrauen kauft kein Budget der Welt zurück.

Aber: Unsere Fraktion stimmt allen drei Anträgen des Stadtrats zu: Jahresbericht gutheissen, Rechnung genehmigen, Motionen und Postulate abschreiben.

Werte Anwesende: Im Herr Buffet sein Baum spendet Schatten, weil irgendjeman ihn einmal gepflanzt hat. Aber Bäume wachsen nicht von alleine weiter. Sie brauchen Wasser. Sie brauchen Schutz. Sie brauchen Pflege. Wer zu knausrig ist, sieht den Baum eingehen. Aber auch zu viel Dünger schadet.

Thema: Finanzen und Beteiligungen