Unklarheit ist kein sinnvoller Kommunikationsstil
Fraktionserklärung zum Kommunikationsstil des Stadtrats – am Beispiel der Kreisschule Aarau-Buchs und des Zusammenschlussvertrags mit Unterentfelden.
Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden
Zugeschrieben Konrad Lorenz
Werte Anwesende
Die Ereignisse rund um die Kreisschule Aarau-Buchs zeigen: Gute Kommunikation ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Insbesondere vom Stadtrat und von der Verwaltung – und insbesondere gegenüber unseren Nachbarn.
Wir sind überzeugt, dass dem Stadtrat das klar ist. Trotzdem werden wir das Gefühl nicht los, dass er zu häufig unklar bleibt – ob unabsichtlich, aus Bequemlichkeit oder strategisch. Unklarheit mag im Einzelfall Sinn machen. Heikel wird es, wenn man so unklar bleibt, dass jede und jeder genau das heraushört, was sie oder er hören will. Es ist wie beim Horoskop: Es passt dann immer – und nie. Weiterhelfen tut es jedenfalls nicht. Denn am Ende reden Menschen mit Menschen. Und Menschen haben eigene Ideen und Wünsche – und hören manchmal nur das, was sie hören wollen.
Unser Wunsch an den Stadtrat ist klar: Wenn er etwas kommuniziert, soll er es so klar machen, dass die Gegenseite ihn nicht nur hört, sondern auch versteht.
Kommen wir zu zwei Beispielen.
Laut eigener Darstellung hat sich der Stadtrat im Sommer 2025 und im Januar 2026 für eine stabile und organisatorisch gut aufgestellte Schule ausgesprochen. Wir stellen uns also eine Sitzung vor – zwischen Stadtrat, Gemeinderat Buchs und BKS. Es geht um genau eine Schule – die Kreisschule. Und der Stadtrat sagt an der Sitzung: Wir sind für eine stabile und organisatorisch gut aufgestellte Schule.
Was hören Sie jetzt aus dieser Botschaft?
Wir wissen, was Buchs und das BKS gehört haben: Der Stadtrat ist für eine gute KSAB und will die KSAB nicht auflösen.
Jetzt gibt es zwei Varianten. Variante eins: Der Stadtrat hat gemerkt, dass Buchs und das BKS etwas ganz anderes verstanden haben als er gemeint hat. Und er hat nicht interveniert. Das wäre die katastrophale Variante. Variante zwei: Er hat schlicht nicht gemerkt, dass er nicht verstanden worden ist – das ist dann nur die schlechte Variante. Wir gehen von der zweiten aus.
Klar, der Stadtrat hat mit keinem Wort gesagt, dass er an der KSAB festhalten will. Aber die Aussage ist aus unserer Sicht so unklar, dass es klar ist, dass die Interpretation von Buchs und BKS auch richtig ist.
Aber, und das muss auch gesagt werden: Auch Empfänger haben eine Sorgfaltspflicht. Wer politische Prozesse kennt, und das erwarten wir vom Gemeinderat Buchs und vom BKS, der weiss: Der Stadtrat kann sich gar nicht langfristig auf eine Kreisschule festlegen. Die von diesem Rat überwiesene Motion hat ihm klar den Auftrag gegeben, auch die Auflösung der Kreisschule zu prüfen.
Zum zweiten Beispiel – in diesem Fall vermutlich eines für «strategische Unklarheit»: der Zusammenschlussvertrag mit Unterentfelden. Im Vertrag steht: Die Schulorganisation soll «auf dem gesamten Stadtgebiet vereinheitlicht und vereinfacht werden». Gleichzeitig soll die «Zusammenarbeit mit den bisherigen Partnerinnen und Partnern nicht in Frage gestellt» werden. Wie kann man alles vereinheitlichen und vereinfachen – und gleichzeitig das Bisherige nicht in Frage stellen?
Tja. Wer will, liest daraus eine Schule Aarau – weil wir vereinheitlichen und vereinfachen. Wer anders will, liest genau das Gegenteil, den Status quo – wir stellen ja nichts in Frage. Immerhin: Beim Drama um die Kreisschule haben am Ende die Handlungen Klarheit geschaffen – nicht die Kommunikation.
Uns ist bewusst: Der neue Stadtrat hat einen heftigen Start hinter sich (Stichwort Walthersburg) und der Fusionsvertrag ist nicht vom Stadtrat in der heutigen Zusammensetzung ausgehandelt worden. Wir hoffen, dass nach dem Start der neuen Schule in rund 40 Tagen wieder Zeit bleibt für eine gute Kommunikation: nicht nur für Krisen-Kommunikation und eine Flut von mal wichtigeren und mal belangloseren Medienmitteilungen.
Darum: Gesagt ist noch nicht gehört. Gehört ist noch nicht verstanden. Wir erwarten keine eine perfekte Kommunikation. Aber wir erwarten eine klare. Denn strategische oder unabsichtliche Unklarheit schafft am Ende nicht Spielraum, sie schaffen Misstrauen.
Wir danken und sind zuversichtlich, dass der Stadtrat uns gehört hat und auch versteht.