Budget 2027: Ersatz Tanklöschfahrzeug günstiger beschaffen
Das neue Tanklöschfahrzeug soll weniger kosten: Das Geld für den teuren Elektroantrieb eines Sonderfahrzeugs spart anderswo ein Vielfaches an CO₂.
Unterzeichner
Antrag
Begründung
Der Stadtrat budgetiert 980 000 Franken und begründet den Betrag mit der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs. Die Aargauische Gebäudeversicherung anerkennt für ein richtlinienkonformes Tanklöschfahrzeug 1 ein Kostendach von 550 000 Franken. Sie zahlt 20 % davon, also 110 000 Franken. Die Differenz von 430 000 Franken trägt die Stadt allein. Der Stadtrat begründet sie mit Technik und Marktsituation. Den Anteil des Elektroantriebs beziffert er aber nicht. Unser Antrag kürzt 280 000 Franken. Der Beitrag bemisst sich am Kostendach und bleibt darum unberührt. Die Nettobelastung der Stadt sinkt von 870 000 auf 590 000 Franken.
Die CO₂-Vermeidungskosten sind nicht vertretbar. Das Fahrzeug verbraucht nach Erfahrungswerten der Feuerwehr rund 1 000 Liter Diesel pro Jahr. Das sind 2,6 Tonnen CO₂ pro Jahr und rund 52 Tonnen in 20 Jahren. Rechnen wir die 430 000 Franken ganz dem Elektroantrieb zu, kostet die vermiedene Tonne rund 8 200 Franken. Mit der Vorkette des Diesels sind es 6 900 Franken. Ein Dieselfahrzeug kostet vermutlich mehr als das Kostendach. Dann sinkt dieser Betrag. Die CO₂-Abgabe des Bundes, auch wenn sie sicherlich etwas zu tief ist, beträgt 120 Franken pro Tonne. Jede Variante liegt also vierzig- bis siebzigmal höher. Das Problem ist nicht die Technologie, sondern die Nutzung. Ein Spezialfahrzeug aus Kleinserie fährt nur wenige Kilometer pro Jahr. Für eine Mehrinvestition dieser Höhe ist der Hebel zu klein.
Zum Vergleich. Ein Einfamilienhaus mit Ölheizung verbraucht 2 000 bis 3 000 Liter Heizöl pro Jahr und stösst damit zwei- bis dreimal so viel CO₂ aus wie unser Tanklöschfahrzeug. Eine Erdsonden-Wärmepumpe kostet grob geschätzt 30 000 Franken mehr als ein fossiler Ersatz. Dafür spart sie 1 500 bis 2 000 Franken Energiekosten pro Jahr. Die Massnahme trägt sich also selbst. Die Vermeidungskosten sind null bis negativ. Mit 430 000 Franken liessen sich rund 14 solche Häuser umstellen. Das vermeidet jährlich gegen 90 Tonnen CO₂ statt 2,6 Tonnen.
Wir geben bewusst mehr als das Minimum. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens dürfte das Kostendach der Gebäudeversicherung die realen Kosten unterschätzen. Es stammt aus der Richtlinie 5 von Juni 2019. Eine Beschaffung im Jahr 2027 bildet es kaum noch ab. Zweitens sehen wir Optimierungspotenzial und wollen es finanziert wissen. Der Dieselmotor läuft überwiegend im Stand. Er treibt dann die Löschwasserpumpe und die Nebenaggregate an. Das geschieht genau dort, wo die Einsatzkräfte arbeiten. Ein batteriegestützter Standbetrieb spart dort Abgase und Lärm. Sein Nutzen liegt weniger beim Klima als beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Als Katalogprodukt gibt es ihn unseres Wissens noch nicht. Verfügbar sind zwei andere Lösungen. Die eine speist bei abgestelltem Motor die Nebenverbraucher rund eine Stunde aus der Batterie. Die Pumpe läuft dabei weiter über den Diesel. Die andere sind Fahrzeuge mit elektrischem Fahr- und Pumpenantrieb. Diese kosten ein Mehrfaches. 700 000 Franken decken beides ab. Sie reichen für ein solides Fahrzeug und lassen Spielraum für alles, was bis zur Beschaffung marktreif wird. Kommt die Stadt mit weniger aus, umso besser.
Es besteht kein Zeitdruck. Die 20 Jahre der Gebäudeversicherung sind eine Amortisationszeit und kein Ersatzgebot. Nach Ablauf dieser Frist ist eine Ersatzbeschaffung wieder beitragsberechtigt. Bei einem früheren Ersatz müsste die Stadt den nicht amortisierten Beitragsanteil zurückzahlen. Auch der Stadtrat schreibt, das Fahrzeug könne nach 20 Jahren ersetzt werden. Wer zuwartet, kauft günstiger. Voraussetzung sind Zustand und Unterhalt des heutigen Fahrzeugs. Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge verbilligt sich. Gut möglich, dass 700 000 Franken in wenigen Jahren für jenes Fahrzeug reichen, das heute 980 000 kosten soll. Unser Antrag hält auch diese Variante offen.
Ein Wort zur Beitragsordnung des Kantons. Die Richtlinie der Gebäudeversicherung schreibt Pumpenleistung, Tankinhalt und Gesamtgewicht vor. Zum Antrieb sagt sie nichts. Das Kostendach bildet trotzdem ein konventionelles Fahrzeug ab. Wer elektrisch beschafft, trägt den Aufpreis allein. Seit dem 30. Juni 2024 verpflichtet § 42a der Kantonsverfassung Kanton und Gemeinden, sich für die Begrenzung des Klimawandels einzusetzen. Die Beitragsordnung überlässt jeden Franken für einen emissionsfreien Antrieb allein der Gemeinde. Das passt schlecht dazu. Ändern kann das weder dieser Einwohnerrat noch der Stadtrat. Wir prüfen daher gemeinsam mit anderen Schritte auf kantonaler Ebene.
Mit einem Dieselantrieb beim Tanklöschfahrzeug können wir ausnahmsweise leben. Dazu gehört aber ein klarer Auftrag. Die Fahrleistung ist minim, und die eingesparten Mittel wirken anderswo um ein Vielfaches stärker. Umgekehrt erwarten wir eine konsequent elektrische Beschaffung, wo Serienfahrzeuge verfügbar sind und die Aufpreise verhältnismässig bleiben. Das gilt bei Personen-, Kommando- und Verkehrsabteilungsfahrzeugen und letztlich bei allem bis und mit grossen Lieferwagen. Es gilt ebenso beim elektrischen Kehrichtfahrzeug im selben Budget. Dort ist die Fahrleistung hoch und die Vermeidungskosten liegen deutlich tiefer. Ein Sonderfahrzeug mit tausend Litern Jahresverbrauch ist die teuerste denkbare Ergänzung für die Elektrifizierung des Fuhrparks. Und der schlechteste Massstab für sie.
Wir bestreiten den Ersatz nicht. Wir bestreiten aber, dass 430 000 Franken städtische Mittel für 2,6 Tonnen CO₂ pro Jahr verantwortbar sind. Mit 700 000 Franken erhält die Feuerwehr ein einsatztaugliches Fahrzeug mit Handlungsspielraum. Und die Stadt kann 280 000 Franken dort einsetzen, wo dieses Geld für das Klima ein Vielfaches bewirkt.
Votum im Rat
Werte Anwesende
Am letzten Freitag haben die Kinder das gesungen. Was sie nicht singen: mit welchem Motor die Aarauer Feuerwehr den Bach gelöscht hat.
Vorweg. Ich mag keine Dieselmotoren. Und der Klimawandel macht mir Sorgen – nicht erst seit diesem Sommer. Ich besitze kein Auto. Ich fahre Velo, ich gehe zu Fuss oder nehme den öV.
Trotzdem käme es mir nicht in den Sinn zu beantragen, das Tanklöschfahrzeug durch ein Lastenvelo zu ersetzen. Leiser wäre es zwar. Platzsparender auch. Nur würde das Wasser nicht so weit langen.
Das aktuell Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 2004 verbraucht rund 1000 Liter Diesel pro Jahr. Das sind 2,6 Tonnen CO₂. Es fährt kaum – aber es muss immer bereit sein. Wie auch immer wir rechnen, wir zahlen 1000e von Franken für die Vermeidung von 1 Tonne CO₂. Mit dem gleichen Geld – und wir können es als Stadt nur einmal ausgeben – könne wir schneller viel mehr CO₂ sparen, wenn wir z. B. schneller fossile Heizungen ersetzen.
Warum ist diese Investition bei einem TLF maximal ineffizient. Ein TLF von der Grösse für Aarau ist nicht Massenwahre. Meines Wissens gibt es aktuell nicht mal ein rein elektrisches Serienmodell.
Bei Serienfahrzeugen sieht die Rechnung anders aus – und dort sind wir kompromisslos. Personenwagen bis und mit mindestens grossen Lieferwagen: Da gehört heute ein Elektroantrieb hin. Der Aufpreis ist vertretbar, die Serie ist da, und ein Teil der Mehrkosten kommt über Energie- und Wartungskosten zurück.
Ich vermute, das TLF ist aktuell für Aarau die teuerste denkbare Art, den Fuhrpark zu elektrifizieren.
Die Klimaschutzstrategie dieser Stadt sagt ja auch: «Bis 2035 ist die Fahrzeugflotte bis auf wenige begründete Ausnahmen emissionsfrei.» Ein Sonderfahrzeug mit tausend Litern Jahresverbrauch und 1000 Franken pro Tonne CO₂ Vermeidungskosten ist so eine begründete Ausnahme. Wenn nicht dieses, welches dann?
Dazu kommt: Es pressiert nicht. Die 20 Jahre (nicht 25 Jahre Irene) der Gebäudeversicherung sind eine Amortisationsfrist, kein Ersatzgebot. Der Kommandant hat einfach seinen Job gemacht und für ein relevantes Fahrzeug früh geplant.
Mit 750 000 Franken erhält die Feuerwehr ein solides Einsatzfahrzeug. Und wer noch nicht eingeschlafen ist, ist jetzt vielleicht irritiert. Warum jetzt 750 000 CHF und nicht mehr 700 000. Anscheinend – das wird Silvia noch erläutern – braucht es so viel Geld doch mindestens. Entsprechend Thomas etwas, das noch nicht gesagt wurde. Der Antrag lautet neu:
Die Investitionsposition 5100.Z51.5.145 «Ersatz Tanklöschfahrzeug (TLF 1)» im Investitionsbudget 2027 wird von 980 000 Franken auf 750 000 Franken gekürzt.
Für uns auch klar, bei der Beschaffung soll man schauen, wo man die Treibhausgasemissionen mit vernünftigen Kosten reduzieren kann. Zum Beispiel ein batteriegestützter Standbetrieb: weniger Abgase, weniger Lärm im Einsatz, genau dort, wo die Einsatzkräfte arbeiten.
Werte Anwesende, in fünfhundert Jahren Bachfischet hat niemand gefragt, womit die Aarauer den Bach gelöscht haben. Gefragt wurde ist nur, ob sie ihn gelöscht haben. Das geht einigermassen klimafreundlich auch mit 700 000 Franken. Und mit den übrigen 280 000 Franken machen wir etwas, das mehr Treibhausgase einspart.
Im Vers vom Bachsichet ist übrigens genau eine Gruppe mit einem motorlosen Gefährt unterwegs: die Küttiger, auf ihren Schlitten. Gedacht war die Zeile als Spott über unsere Nachbarn. Heute ist sie eher eine Mahnung. Ein Frosch nützt nämlich nur, solange Schnee liegt.
«d’Aarauer händ en glösche, d’Chüttiger d’Chüttiger rite-uf de Frösche.»
Ich bitte Sie um Zustimmung zu unserem Antrag.