Das Postulat 4d aus dem Klimapaket 2021 befasste sich mit der Zukunft des Gasnetzes in Aarau. Alexander Umbricht sprach als Fraktionssprecher und setzte sich dafür ein, das Postulat zu überweisen, aber nicht gleich wieder abzuschreiben. Der Einwohnerrat überwies das Postulat mit 23 zu 10 Stimmen bei 7 Enthaltungen und schrieb es mit 31 zu 5 Stimmen bei 4 Enthaltungen gleichzeitig ab.
Mit dem Jahresbericht 2022 beantragte der Stadtrat unter anderem, das Postulat zur Zukunft des Gasnetzes abzuschreiben. Alexander Umbricht wandte sich in einem Einzelvotum gegen diese Abschreibung; der Stadtrat zog den Abschreibungsantrag zurück. Den Jahresbericht genehmigte der Einwohnerrat einstimmig.
Werte Anwesende
Noch produziert eine Gasheizung heisse Luft. Heisse Luft, die dank ihrer Treibhausgase sehr schädlich für unser Klima ist. Und das darf keine Zukunft haben, auch nicht in der Aarauer Altstadt. Auch nicht in der Form von Biogas oder synthetischen Gasen.
Erneuerbare Gase sind zu kostbar
Und weil das «Energieschweiz für Gemeinden» als Bundesprogramm schon klar, deutlich und breit abgestützt formuliert hat, zitiere ich wohl rekordlang:
«Alternative, erneuerbare gasförmige Brennstoffe werden nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und sind damit unbedingt für diejenigen Sektoren und Einsatzzwecke zu priorisieren, für die es heute noch keine technischen Alternativen gibt – also allenfalls die folgenden: Flugverkehr, internationaler Schiffsverkehr, chemische Industrie, Hochtemperaturprozesse in der Industrie, den Schwerverkehr und allenfalls die Raumfahrt. Allenfalls können sie auch einen Beitrag zur saisonalen Speicherung von Strom leisten.
Werte Anwesende
IWB, ein Energieversorgungsunternehmen primär in und rund um Basel mit über 900 Angestellten, verkauft etwa 5x so viel Gas wie die Eniwa. Sie schreibt im Mai 2021:
«IWB setzt auf Wärmeverbünde und klimafreundliche Einzellösungen.»
Das macht die Eniwa auch.
Die IWB schreibt weiter: «Diese strategische Ausrichtung von IWB passt damit nur noch bedingt zu einer Mitgliedschaft in der Interessensvertretung der Gaswirtschaft.» Und: «IWB und Teile der Gaswirtschaft sind hier mit verschiedenen Geschwindigkeiten unterwegs. Damit sind die Interessen von IWB und dem VSG nur noch in Teilen deckungsgleich – das Ende der langjährigen Mitgliedschaft im VSG ist die logische Konsequenz für IWB.»
Hintergrund
Die Klimaziele der Stadt Aarau können mit einem auf fossilen Erdgas basierenden Netz nicht erreicht werden. Gleichzeitig werden Biogase und treibhausgasfreie, synthetisch hergestellte Gase voraussichtlich bis zur Mitte des Jahrhunderts vollständig für Prozesswärme, Langdistanztransporte und das Fliegen genutzt. Für das Heizen von Gebäuden werden die erneuerbaren Gase schlicht zu wertvoll sein.
Das Gasnetz kann und soll nicht von heute auf morgen abgestellt werden, die Planung dazu sollte aber umgehend begonnen werden. Zu berücksichtigen sind die Investitionszyklen von Heizungen, damit Fehlinvestitionen oder Entschädigungszahlungen für die Gasnetzbetreiberin soweit möglich vermieden werden können. Mit einer guten und rechtzeitig in Angriff genommenen Planung können auch sogenannte Stranded Assets vermieden werden.
Werte Anwesende
Keine Angst. Mir ist bewusst, dass wir uns im politischen Rahmen befinden und Fakten unser gemütliches Beisammensein stören könne. Darum werde ich nebst Fakten selbstverständlich auch noch politisches sagen.
Fakt 1
Die eniwa hat 2020 der Stadt Aarau knapp 4.9 Mio. CHF an Dividenden abgeliefert. Grobgesagt: 7 Steuerprozent
Politische Einordung: Die eniwa ist für die Stadt eine Cashcow. Unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet, funktioniert das nur, wenn die eniwa langfristig gut verdient. Und das macht sie nur dann, wenn sie nicht grosse Abschreiber z. B. auf das Gasnetz verbuchen muss. Stichwort «Stranded Assets».