Am 25. Juni 2021 hatten Grüne und Grünliberale zusammen mit weiteren Fraktionen ein ganzes Paket von Klimaschutz-Vorstössen eingereicht. Mit dieser Anfrage wollten Alexander Umbricht und Peter Jann wissen, wie weit die überwiesenen und noch nicht abgeschriebenen Vorstösse daraus umgesetzt sind. Der Stadtrat beantwortete die Anfrage schriftlich; sie wurde an der Sitzung vom 11. Mai 2026 behandelt.
Mit dem Jahresbericht 2023 beantragte der Stadtrat, ein Postulat zu Wärmepumpen abzuschreiben. Alexander Umbricht sprach sich als Fraktionssprecher in zwei Voten gegen die Abschreibung aus. Der Einwohnerrat lehnte die Abschreibung mit 41 zu 5 Stimmen ab.
Das Postulat 4d aus dem Klimapaket 2021 befasste sich mit der Zukunft des Gasnetzes in Aarau. Alexander Umbricht sprach als Fraktionssprecher und setzte sich dafür ein, das Postulat zu überweisen, aber nicht gleich wieder abzuschreiben. Der Einwohnerrat überwies das Postulat mit 23 zu 10 Stimmen bei 7 Enthaltungen und schrieb es mit 31 zu 5 Stimmen bei 4 Enthaltungen gleichzeitig ab.
Hintergrund
Die grosse Mehrheit der Heizungen, die bei Neubauten eingesetzt werden, ist klimafreundlich. Wer Zeit zum Planen hat, setzt bereits heute auf Wärmepumpen – sie kosten zwar mehr in der Anschaffung, sind über die ganze Lebenszeit gerechnet aber meistens wesentlich günstiger als Öl und Gas, und es gibt äusserst attraktive Finanzierungsmodelle.
Ganz anders sieht es jedoch beim Heizungsersatz aus: Weit über die Hälfte der fossilen Heizungen, die heutzutage aussteigen, werden durch neue fossile Heizungen ersetzt. Naturgemäss steigen Heizungen meist dann aus, wenn sie in Betrieb sind, sprich: wenn man ohne sie friert. Bei einem Heizungsersatz ist eine schnelle, pfannenfertige Lösung gefragt, und die einzige Fachperson, die zur rechten Zeit am rechten Ort ist, ist immer ein Spezialist für fossile Heizungen. Kein Wunder, haben fossile Lösungen hier die Nase vorn.
Hintergrund
Es ist schwierig, die Aarauer Altstadt sowie die Vordere Vorstadt mit treibhausgasfreier Wärme (und allenfalls Kälte) zu versorgen. Der kommunale Energieplan Aarau 2020 schreibt dazu denn auch: «Die Altstadt und Vordere Vorstadt werden heute mehrheitlich mit Gas versorgt. Gleichzeitig eignen sich die mehrheitlich denkmalgeschützten Gebäude aufgrund der ungedämmten Gebäudehülle nur beschränkt zur Versorgung durch Erdwärme. Weiter ist auch der Platz für Bohrungen für die Erdwärmenutzung beschränkt und die hohe Dichte könnte zu einer Auskühlung des Bodens führen.»
Hintergrund
Die Schweiz ist heute stark abhängig von fossilen Energien, die aus dem Ausland importiert werden. Allein für Erdöl und Erdgas fliessen so jedes Jahr rund 8 Milliarden Franken ins Ausland ab. Ein beträchtlicher Teil der fossilen Energien wird für die Gebäudenutzung verwendet. So überrascht es nicht, dass von den gesamten Treibhausgasemissionen in der Schweiz rund 24 % durch den Betrieb von Gebäuden verursacht wird.
Bereits heute sind alle notwendigen Technologien vorhanden, um den Gebäudepark wirtschaftlich fossil- und treibhausgasfrei zu betreiben. Somit wird es höchste Zeit, dass wir das auch machen. Das mit der Umsetzung angeeignete Wissen kann in die Beratung von Privaten und Unternehmen einfliessen.
Hintergrund
Das Ziel, die städtischen Liegenschaften zu dekarbonisieren, ist notwendig und sinnvoll. Bei den dafür nötigen Umbauten lassen sich die positiven Effekte aber nochmals vervielfachen, wenn man bei jedem Projekt über die eigene Liegenschaft hinausdenkt. Einerseits könnten mit grösseren, gemeinschaftlichen Projekten deutliche Effizienzgewinne erzielt werden; andererseits könnten auch zahlreiche Nachbarliegenschaften zu einem früheren und dezidierteren Wechsel auf klimaneutrale Lösungen bewegt werden.
Gemeinschaftliche Solaranlagen sind ein Paradebeispiel dafür: Schliessen sich mehrere Liegenschaften zusammen, können sie einen höheren Anteil des produzierten Stroms direkt vor Ort verbrauchen. Auch die Anschaffung eines grösseren Stromspeichers sowie der Betrieb von Solarzellen an Ost- und Westfassaden werden deutlich rentabler, je mehr Liegenschaften an der Anlage beteiligt sind. Von solchen Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch profitiert auch das Stromnetz als Ganzes.
Hintergrund
Die Klimaziele der Stadt Aarau können mit einem auf fossilen Erdgas basierenden Netz nicht erreicht werden. Gleichzeitig werden Biogase und treibhausgasfreie, synthetisch hergestellte Gase voraussichtlich bis zur Mitte des Jahrhunderts vollständig für Prozesswärme, Langdistanztransporte und das Fliegen genutzt. Für das Heizen von Gebäuden werden die erneuerbaren Gase schlicht zu wertvoll sein.
Das Gasnetz kann und soll nicht von heute auf morgen abgestellt werden, die Planung dazu sollte aber umgehend begonnen werden. Zu berücksichtigen sind die Investitionszyklen von Heizungen, damit Fehlinvestitionen oder Entschädigungszahlungen für die Gasnetzbetreiberin soweit möglich vermieden werden können. Mit einer guten und rechtzeitig in Angriff genommenen Planung können auch sogenannte Stranded Assets vermieden werden.
Hintergrund
Mit einer Wärmepumpe wird die Wärme aus dem Erdreich (Sole), dem Grundwasser oder der Luft auf ein nutzbares Temperaturniveau gebracht. Mit einem Teil Strom können bis zu fünf Teile Wärme erzeugt werden. Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die als Hauptheizung eingesetzt werden und eine Öl-, Gas- oder Elektroheizung ersetzen, senken die Treibhausgasemissionen beträchtlich.
Eine grosse Hürde für deren Einsatz sind die im Verhältnis zu einem klimaschädlichen fossilen Heizungsersatz deutlich aufwendigeren Bewilligungsverfahren. Deshalb ist beispielsweise im Kanton Basel-Stadt das Aufstellen von Wärmepumpen im Inneren ohne Bewilligung möglich. Im Aussenraum ist bei Einhaltung gewisser Bedingungen lediglich eine Meldung notwendig. Dies hat zu einem vermehrten Ersatz von fossilen Heizungen durch Luft-Wasser-Wärmepumpen geführt.
Werte Anwesende
Keine Angst. Mir ist bewusst, dass wir uns im politischen Rahmen befinden und Fakten unser gemütliches Beisammensein stören könne. Darum werde ich nebst Fakten selbstverständlich auch noch politisches sagen.
Fakt 1
Die eniwa hat 2020 der Stadt Aarau knapp 4.9 Mio. CHF an Dividenden abgeliefert. Grobgesagt: 7 Steuerprozent
Politische Einordung: Die eniwa ist für die Stadt eine Cashcow. Unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet, funktioniert das nur, wenn die eniwa langfristig gut verdient. Und das macht sie nur dann, wenn sie nicht grosse Abschreiber z. B. auf das Gasnetz verbuchen muss. Stichwort «Stranded Assets».
Begründung
Kurzversion:
- Die Gemeindeordnung gibt uns den Auftrag, die Ziele der 2000 Watt-Gesellschaft zu erreichen. Ein Neubau, der nicht mal den Minergie-Standard erreicht, nimmt die Gemeindeordnung genau so wenig ernst wie eine neue Heizung, die fossil betrieben wird.
- Die Projektierungskosten werden durch den Minergie-Standard nicht beeinflusst.
- Eine gute Lüftung in einem gut isolierten Gebäude ist essenziell für eine gute Luftqualität. Stichwort CO₂. Zudem kann sie den Wertverlust des Gebäudes verlangsamen.
- Eine Lüftung hilft Energie und somit Betriebskosten zu sparen.
- Die Investitionskosten für eine «minergietaugliche» Lüftung können deutlich kleiner sein, als die Vorlage suggeriert. Mit einem Ersatz der teuren zentralen Lüftung durch Einzelraumbelüftungsanlagen sind Kosteneinsparungen von 50 % möglich. Dies zeigen Erfahrungen aus anderen Schulhäusern.
Votum im Rat
Werte Anwesende
Begründung
«Heute ist niemand mehr so blöd und baut Kunsteisbahn und Hallenbad nicht direkt nebeneinander. Hier haben wir den energetischen und finanziellen Idealfall: Die Abwärme aus der Kälteerzeugung bei der Kunsteisbahn fällt direkt als Nutzwärme für das Hallenbad an.»
Der Dozent, der in einer Vorlesung namens «Energietechnik und Umwelt» vor ein paar Wochen an der ETH in Zürich die einleitende Aussage gemacht hat, kennt anscheinend die Aarauer Verhältnisse nicht und verweist wohl eher auf clevere Beispiele wie das folgende aus Davos: