PV jetzt – Das brauchen wir wirklich!
Aarau muss die Stromproduktion mit Sonne bis 2030 verfünffachen. Und ist dann maximal durchschnittlich.
Photovoltaik in Deutschland macht ökonomisch so viel Sinn wie Ananas züchten in Alaska.
Jürgen Grossmann, Vorstandsvorsitzender RWE, Januar 2012
Zur Info: Inhaltlich rede ich an deren Stelle für 3 Fraktionen – Pro Aarau/EVP – GLP/Mitte und auch für die Grünen. Und der Inhalt bezieht sich grad auf alle drei Photovoltaik-Vorlagen.
Werte Anwesende
Selten habe ich so ein falsches Zitat gehört. Heute, also 10 Jahre nach der Aussage, sieht es wie folgt aus.
Ananas in der Antarktis
Ananas Züchten in der Antarktis – das ist das, was uns wohl am meisten interessiert – wird jedes Jahr wahrscheinlicher. So sind doch im Februar 2020 bereits Temperaturen von mehr als 18 °C gemessen worden – und damit meine ich 18 °C über Null. Und die Menschheit gibt weiterhin kräftig Gas mit dem Klimawandel. Jahr für Jahr, Rekord für Rekord.
Photovoltaik macht ökonomisch Sinn
Photovoltaikanlagen machen heute in der Regel ökonomisch Sinn. Selbst in England braucht ein neues Atomkraftwerk mindestens 3 Mal so viel Subvention pro kWh Strom wie Sonnenstrom – und England ist eher nicht bekannt für viel Sonnenschein.
Mit den aktuellen Grosshandelsstrompreisen ist Sonnenstrom zudem auch in der Schweiz ein Schnäppchen und jedes Energieversorgungsunternehmen froh, wenn es eigene Stromproduktion hat. Dazu muss man wissen, dass der Strompreis an der Börse gestern gut 6x so hoch war wie ein Jahr früher. Und nein, das liegt nicht – oder nicht nur – am Krieg in der Ukraine. Im Dezember 2021 ist der Preis noch höher gewesen.
Apropos Ukraine: An dieser Stelle argumentiere ich bewusst nicht mit dem Krieg und der energetischen Unabhängigkeit von dubiosen bzw. kriminellen Staaten. Einer Unabhängigkeit, die mittels Photovoltaik rasch deutlich vergrössert werden könnte. Weil, die Unabhängigkeitsargumentation ist in dem Raum schon vor Jahren gebraucht worden und die Unabhängigkeitsargumentation wird auch noch gültig sein, wenn Russland nicht mehr von einem diktatorischen Arschloch regiert wird, sondern hoffentlich von einer demokratisch gewählten Person.
Darum bleiben, unabhängig von der Ukraine, 2 Sachen gültig: Sonnenstrom macht unabhängiger von ausländischen Energielieferanten jeglicher politischer Couleur und kann lokal auch eine Mindestmenge Strom liefern, wenn es einmal ein Blackout geben sollte.
Die Schweiz braucht mehr Sonnenstrom
Photovoltaikanlagen machen auch in der Schweiz Sinn. Die Umstellung Richtung Elektromobilität und weg von Öl- und Gasheizungen führt zu einer grösseren Stromnachfrage. Das Bundesamt für Energie hat in den sogenannten Energieperspektiven 2050+ ausgerechnet, wie die zukünftige Energieversorgung aussehen müsste, damit zum einen das Klimaziel erreicht werden könnte und zum anderen die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Zusammenfassend ist eindeutig: Die Schweiz braucht in jedem Szenario mehr Sonnenstrom – so schnell wie möglich, so viel wie möglich.
Wo steht Aarau?
Und wo steht Aarau beim Ausbau von Sonnenstrom – bis jetzt? Das ist ganz einfach. Im Vergleich zur restlichen Schweiz hat Aarau pro Person klar unterdurchschnittlich viel Sonnenstrom produziert und der Ausbau ist auch noch langsamer als in der restlichen Schweiz. Das heisst, Aarau ist 2020 noch mehr unter dem schweizerischen Schnitt gewesen als 2019. Und nein, das liegt nicht am Nebel. Biberstein hat mehr als doppelt so viel Sonnenstrom pro Person wie Aarau.
Wenn ich die Energieperspektiven 2050+ als Grundlage nehme, muss die Stadt Aarau die Stromproduktion mit Sonne bis 2030 fast verfünffachen. Und ist dann maximal durchschnittlich. So von wegen Energiestadt Gold.
Ich wiederhole: verfünffachen.
Was heisst das für die drei Vorlagen?
Es braucht mehr Photovoltaikanlagen für mehr treibhausgasarmen Strom. Es braucht mehr Photovoltaikanlagen für mehr energetische Unabhängigkeit. Und es braucht mehr Photovoltaikanlagen von der Stadt auf, neben und an den eigenen Gebäuden als Anschauungsmaterial für Nachbarinnen und Nachbarn.
Aus Sicht von den vier Zentrumsparteien Pro Aarau, Mitte, EVP/EW und GLP ist klar, dass es Photovoltaikanlagen auf, an und neben den städtischen Gebäuden braucht. Unterschiedliche Meinungen gibt es zum Thema, ob die Dächermotion nicht besser ein Postulat wäre. Sie werden entsprechend ein nuanciertes Abstimmen beobachten können.
In jedem Fall wünschen wir uns eine rasche, konsequente und auf Winterstrom optimierte Umsetzung. Und besonders freut uns, dass damit Arbeitsplätze in der Region unterstützt werden.
Ich schliesse mit einem anderen Zitat, auch aus dem Januar 2012: «Wir brauchen Gebäude, die sich von der Sonne ernähren.» – Prof. Stefan Schleicher, Karl-Franzens-Universität Graz.
Ich finde es definitiv erstrebenswerter, dass Häuser Sonne verspeisen als dass Menschen Ananas aus der Antarktis essen.
In dem Sinne: Wir freuen uns über jede Stimme in dem Raum, die die städtischen Gebäude erneuerbar ernähren will.