Nichts als heisse Luft.

Werte Anwesende

Noch produziert eine Gasheizung heisse Luft. Heisse Luft, die dank ihrer Treibhausgase sehr schädlich für unser Klima ist. Und das darf keine Zukunft haben, auch nicht in der Aarauer Altstadt. Auch nicht in der Form von Biogas oder synthetischen Gasen.

Erneuerbare Gase sind zu kostbar

Und weil das «Energieschweiz für Gemeinden» als Bundesprogramm schon klar, deutlich und breit abgestützt formuliert hat, zitiere ich wohl rekordlang:

«Alternative, erneuerbare gasförmige Brennstoffe werden nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und sind damit unbedingt für diejenigen Sektoren und Einsatzzwecke zu priorisieren, für die es heute noch keine technischen Alternativen gibt – also allenfalls die folgenden: Flugverkehr, internationaler Schiffsverkehr, chemische Industrie, Hochtemperaturprozesse in der Industrie, den Schwerverkehr und allenfalls die Raumfahrt. Allenfalls können sie auch einen Beitrag zur saisonalen Speicherung von Strom leisten.

In allen anderen Sektoren (insbesondere für die Heizwärme) muss für die Bewirtschaftung, den Unterhalt und Neu-Investitionen ab sofort davon ausgegangen werden, dass Biogas und Power-to-X-Produkte in Zukunft nicht zur Verfügung stehen werden.»

In anderen Worten: Biogas und erneuerbare Gase sind absolut zentral für den Klimaschutz. Aber es wäre unglaublich dumm, die sehr begrenzten Mengen fürs Heizen zu verschwenden. Weil: Beim Heizen gibt es Alternativen. Auch in der Aarauer Altstadt. Wenn man will. Bzw. wenn der Stadtrat und der Einwohnerrat wollen.

Röhren im Boden

Wenn ich den Stadtrat aber richtig verstehe, kann ein Fernwärmenetz mit Röhren im Boden nicht flächendeckend gebaut werden, weil die Altstadt historisch ist und der Untergrund felsig. Beides sicher richtig.

Ein bisschen erstaunt bin ich aber, dass mir Altstadtbewohner:innen glaubhaft haben versichern können, dass es Trinkwasser (aus Röhren im Boden), eine Kanalisation (in Röhren im Boden), ein Gasnetz (in Röhren im Boden) und sogar die eine oder andere Telefonleitung (in kleineren Röhren im Boden) in der Altstadt gäbe.

Ich kann mir das nur so erklären, dass die Röhren im Boden alle bereits in den 40er Jahren vom 13. Jahrhundert angelegt worden sind – gerade mit der Stadtgründung zusammen, um Probleme mit dem Denkmalschutz zu vermeiden. Und der Felsen ist vermutlich noch nicht gleich ausgehärtet gewesen wie heute. Irgendwie so.

Was das Postulat fordert

Nein, im Ernst. Das Postulat fordert, dass es zukünftig in der Altstadt und in der Vorderen Vorstadt möglich sein muss, klimaneutral zu heizen. Das ist schlicht vernünftig und auch komplex. Und weil das komplex ist – muss das jemand in die Hand nehmen. Und dafür muss laut Postulat der Stadtrat sorgen.

Das Postulat verlangt kein Fernwärmenetz – das ist eine erwähnte Möglichkeit. Vielleicht nicht die dümmste. Es braucht sicher pragmatische Lösungen – vielleicht auch nicht überall dieselbe, aber die Lösungen müssen jetzt aufgegleist werden – nicht erst in 20 Jahren.

Die Quintessenz

Die Quintessenz ist diese: Alle die, die im Jahr 2050 noch mit Gas heizen wollen, bekommen dann statt heisser Luft kalte Füsse. Auch in einer historischen Altstadt auf felsigem Untergrund.

Eine Überweisung von dem Postulat ist das pure Gegenteil von dumm, faul, egoistisch und kurzsichtig – also schlau, aktiv, für die Bevölkerung und vielleicht auch ein bisschen weitsichtig.

Danke.

PS: Und einfach noch der Vollständigkeit halber: Biogas hat zwar Bio im Wort, ist aber nicht klimaneutral. Auch wenn es anders beworben wird. Biogas verursacht laut dem BFE knapp halb so viel Treibhausgase wie Erdgas. Aber die Hälfte von viel ist in dem Fall immer noch viel zu viel.